Extraschicht in Dorsten: „Die Zeche ist der Star“

Nach 2003 und ‘04 wird Fürst Leopold am 9.
Juli zum dritten Mal Station des
ruhrgebietsweiten Kulturfests Extraschicht.
Das Programm in Lohnhalle und Trafogebäude
bestreiten vor allem Künstler und Musiker,
die auch das künftige Art-Boarding-House mit
Leben füllen wollen.
Vielleicht ist das die wesentliche
Botschaft: Dass es überhaupt die
Extraschicht auf Leopold gibt. Daran hatten
viele in Dorsten gezweifelt. Zu zäh und
lange zogen sich die Verhandlungen mit
Investor Tedo (Tempelmann Dorsten) über die
Neubesiedlung und künftige Nutzung der zwölf
Hektar Zechenfläche.
Die ist inzwischen bis auf die
Denkmalgebäude frei geräumt, aber noch nicht
aus der Bergaufsicht entlassen. Darum konnte
im Kulturjahr 2010 schon nicht der gelbe
Ballon der „Schachtzeichen“ über der
Lohnhalle aufsteigen und kein Fest gefeiert
werden.
Nun aber ist es offiziell: Seit Freitag wird
Dorsten auf der soeben frei geschalteten
Internetseite www.extraschicht.de als
Spielort geführt. Fürst Leopold gehört zu
den vier Nord(glanz)lichtern unter 50
Veranstaltungsorten, wurde einsortiert in
die überaus prominente Region „Essen und
Umgebung“ (dazu gehört auch Zollverein), ist
in der Nacht über zwei Shuttle-Linien im
Ringschluss an die Bahnhöfe Recklinghausen
und Herne angeschlossen – und damit an den
Rest der Extraschicht.
Für Tedo-Mann Ralf Ehlert, der mit
Stahlkünstler Norbert Then fürs Programm
verantwortlich zeichnet, ein Riesenvorteil.
Bei der Extraschicht 2003 war Dorsten
Endpunkt einer Linie – und damit ziemlich
abgekoppelt. 1200 Besucher zählte Leopold
damals. Ehlert: „Das wollen wir diesmal
deutlich toppen.“
Programm gibt es in der Kulturnacht von 18
bis 2 Uhr. Die meisten beteiligten Künstler
sind auch Mitglieder in Bands, die im
30-Minuten-Takt die Bühnen bespielen wollen.
Then selbst bringt eine Band mit,
Kunstdrucker Pepe Bölting ebenfalls. Beide
wollen später auch ins Art-Boarding-House
einziehen. Dazu gibt es Kunstausstellungen
mit Bildern und Fotos. Der MGV Hervest ist
dabei und der Bergbauverein. Auf ganz große
Namen aus dem Musikgeschäft verzichten die
Schichtführer auf Leopold bewusst. Der
bekannteste Bühnengast ist Schauspieler und
Musiker Willi Thomczyk (der RTL-„Camper“),
der schon bei früheren Dorstener Gastspielen
in der Extraschicht dabei war. Diesmal kommt
er mit Sohn Tim.
„Die Zeche ist der Star“, sagt Ralf Ehlert
zur geplanten Nacht. Sie wird besonders
beleuchtet und soll funkeln. „EinBlick“ in
die verbotene Stadt, heißt das Motto.
Einblicke, die bis 2001 für tausende
Bergleute normal waren und seitdem
schwierig. Nach der Stilllegung gammelte das
Areal sieben Jahre mehr oder weniger vor
sich hin, 2008 wurden die Kernflächen an
Investor Tempelmann verkauft. Erst vor zwei
Wochen verabschiedete die Stadt das
grundsätzliche Konzept zur weiteren Nutzung
durch Handel und Kultur. Am 9. Juli soll es
zumindest auf die Kultur einen Vorgeschmack
gegen.
Quelle: DerWesten.de


